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Aktuelles.

24.10.2018
VEREITELTE AGILITäT.

Aktuelle Lünendonk-Studie zum Umsetzungsgrad agiler Transformation in deutschen Großunternehmen

Viele Digitalisierungsprojekte beginnen agil, münden aber nach kurzer Zeit wieder in alte Konzern-Mechanismen und Hierarchien. Einer Lünendonk-Studie zufolge treibt vor allem das Top Management die agile Transformation zu wenig voran und lebt sie noch weniger selbst vor. Darüber berichtet Mario Zillmann auf cio.de.

Während in der IT-Anwendungsentwicklung bereits seit Jahren überwiegend agil gearbeitet wird, setzt sich dieses Vorgehen im Business noch nicht durch. Zwar verkündeten viele Unternehmen, dass sie agil sein wollen, aber ihnen gelinge es nicht, ihre Strukturen aufzugeben. Lünendonk hat zusammen mit der IT-Beratung BridgingIT die Studie "Scalable Agility: Von der agilen Transformation zur digitalen Transformation" veröffentlicht. Darin werden Führungskräfte aus Business und IT aus 26 ausgewählten Großunternehmen und Konzernen befragt, die für die agile Transformation verantwortlich sind.

Die untersuchten Unternehmen machen deutlich über eine Milliarde Euro Umsatz, knapp die Hälfte sogar über zehn Milliarden Euro. Eine echte agile Transformation im Sinne der Neuausrichtung der Unternehmenskultur, der internen Kommunikation sowie neuen Organisationsmodellen fand bisher in den untersuchten Unternehmen eher selten statt.

Erst drei Unternehmen in der Studie haben bereits annähernd vollständig von einer Projekt- auf eine Produktorganisation umgestellt. Dennoch gehen 23 Prozent der Studienteilnehmer von einer nahezu abgeschlossenen agilen Transformation aus. Weitere 65 Prozent sehen ihre Unternehmen aktuell mittendrin und bewerten die Transformation als "teilweise" abgeschlossen. Diese Angaben beziehen sich vor allem auf die Anwendungsentwicklung im IT-Bereich, während die Fachbereiche weiter in ihren traditionellen Modellen arbeiten.

Agile Vorreiter seien häufig technologieorientierte Konzerne aus der Industrie, die infolge eines hohen Entwicklungsdrucks neue Geschäftsmodelle und eine Vielzahl digitaler Services etablierten. Dadurch sei dann auch die Vernetzung von IT und Fachbereich besonders stark ausgeprägt. Dort würde etwa ein „Fast-Track-IT-Procurement“ eingeführt, wodurch sich IT-Ressourcen ohne lange Genehmigungs- und Freigabeprozesse einkaufen ließen. Demgegenüber stünden Finanzdienstleister und Handel noch am Anfang der Digitalisierung. Als positive Ausnahmen werden Otto, MediaMarktSaturn und die ING-DiBa genannt.

Aufgegebene Vorteile agiler Arbeitsweise

Als wichtigste Vorteile agilen Arbeitens wurden ein schnelleres Time-to-Market sowie eine schnellere Reaktion auf Change Requests genannt (96 Prozent). Als weitere Vorteile gelten  „erhöhte Qualität", „stärkerer Fokus und Priorisierung" sowie „verbesserte Transparenz". Die Frage, ob durch agile Methoden bereits Geschwindigkeitsvorteile erzielt worden seien, bejahten jedoch nur 63 Prozent der Befragten. Insgesamt würden beim Thema „Agil“ überwiegend produktbezogene Vorteile gesehen und weit seltener die Veränderung in der Unternehmenskultur.

Nur knapp jeder Zweite benannte als Vorteile die „verbesserte Mitarbeiterzufriedenheit“  und „attraktiveres Employer Branding". Offenbar werde auch vom Recruiting die Bedeutung agilen Arbeitens und einer agilen Organisation für Bewerber noch stark unterschätzt, heißt es. Auch wenn den Unternehmen bewusst sei, dass sie attraktiver für digital Natives werden müssten, käme diesem Punkt noch nicht die höchste strategische Bedeutung zu.

Der Wunsch und Wille zur agilen Transformation scheitert offenbar an alten Konzern-Mechanismen. Digitalisierungsvorhaben würden zwar agil begonnen, doch schon bald würden Agilen Teams wieder Hierarchiestufen übergestülpt, „Fail Fast“ werde von den Controllern nicht akzeptiert und Budgets würden nicht mehr genehmigt. Eine agile Transformation sei jedoch ein Top-Down-Thema des Managements und sollte unter enger Einbeziehung von HR umgesetzt werden.

Aktuell gaben aber nur 25 Prozent der befragten Manager an, dass eine Mehrheit der Führungskräfte Themen im digitalen Kontext und im agilen Modus überhaupt planen und umsetzen könne. Das Thema werde nur in 43 Prozent der befragten Unternehmen durch das Top Management vorangetrieben. Mehr noch: In nur 22 Prozent der Unternehmen lebe das Top Management selbst agile Vorgehensweisen vor, während es genau dies aber vom Rest der Führungskräfte und Mitarbeitenden erwarte.